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Zwei Brüder
Zwei Brüdern bemerkten einmal, dass sie die Zeit als relativ empfanden, obwohl sie messbar stets im selben Tempo verrinnt. Ihnen fiel auf, dass die Stunden einfach nicht vergingen, wenn sie stupide Arbeiten verrichteten. Beschäftigten sich die Brüder jedoch mit Dingen, die ihnen Freude bereiteten, schien ihnen die Zeit davon zu rennen. Eines Tages beschlossen die Brüder, der Sache auf den Grund zu gehen. Der Ältere achtete von nun an darauf, wenig Zeit auf Tätigkeiten zu verwenden, die er mochte. Nach einem endlos wirkenden Tag war er oft müde und schlecht gelaunt, sodass er die Abende lieber allein zu Haus verbrachte. Der jüngere Bruder jedoch folgte möglichst häufig der Stimme seines Herzens. Er fand eine Anstellung, die seinen Fähigkeiten und Neigungen entsprach, ging täglich mit Freude zu Arbeit. Natürlich kam auch er am Abend erschöpft nach Hause. Dann gönnte er sich eine Pause und lud anschließend Freunde ein oder ging aus. Er besuchte Konzerte, fuhr am Wochenende zum Picknicken ins Grüne oder ging ins Theater. Als ein Jahr vergangen war, trafen sich die Brüder wie verabredet wieder, um einander von ihren Erfahrungen zu erzählen. Der ältere Bruder sagte: „In meinem Leben ist die Zeit ein Feind, der sich ständig an meine Fersen heftet und mich nicht zur Ruhe kommen lässt. Sie ist die Unendlichkeit, in der ich gefangen bin. Ich fühle mich ausgebrannt, alt und müde." Der jüngere Bruder erwiderte jedoch: „Mir scheint, wir hätten unser Experiment erst vor wenigen Wochen begonnen. In meinem Leben ist die Zeit mein Freund, der mich ständig mit neuen Herausforderungen überrascht, an denen ich mich ausprobieren und wachsen kann. Ich bin voller Energie, fühle mich jung und glücklich."
Nun wussten die Brüder, dass die Zeit, obwohl sie unbestritten eine messbare Größe ist, für jeden Menschen unterschiedlich schnell vergeht. Aber sie hatten noch etwas viel Bedeutenderes herausgefunden. Jeder Mensch kann Einfluss darauf nehmen, ob die Zeit zu Freund oder Feind im eigenen Leben wird.
veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Verlags
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